Siemens Energy stärkt Geschäft in herausforderndem Jahr – Integration von Siemens Gamesa Renewable Energy steht nun im Fokus

16. November 2022
München

  • Hoher Nachfrage bei Gas and Power stehen operative Probleme bei Siemens Gamesa gegenüber
  • Angepasstes EBITA vor Sondereffekten liegt bei 379 Mio. €, Marge bei 1,3%
  • Umsatz steigt nominal um 1,8%, Auftragsbestand erreicht mit 97,4 Mrd. € neuen Rekordwert
  • Mehr Transparenz, agilere Organisation – Transformation bei Siemens Energy wird fortgesetzt
  • Kein Dividendenvorschlag für das Geschäftsjahr 2022

 

In Zeiten geopolitischer und makroökonomischer Herausforderungen erweist sich Siemens Energy als widerstandsfähig. Hohe Auftragseingänge und eine im Vergleich zum Vorjahr gesteigerte Profitabilität im Segment Gas and Power (GP) zeugen von einer soliden Leistung im abgelaufenen Geschäftsjahr. Beeinträchtigt wurde das Gesamtergebnis von Siemens Energy allerdings durch die negative Entwicklung bei der Windkrafttochter Siemens Gamesa Renewable Energy (SGRE). Dennoch hat Siemens Energy seine angepasste Prognose weitgehend erfüllt. Während die Angepasste EBITA-Marge vor Sondereffekten leicht hinter den Erwartungen zurückblieb, fiel der Verlust geringer aus als erwartet. Der Free Cash Flow vor Steuern war deutlich höher. 

Siemens Energy stellt heute bei seiner Bilanzpressekonferenz in München die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2021/2022 vor, das am 30. September 2022 endete. Die Zahlen für das Segment SGRE, das weiterhin noch als eigenständiges Unternehmen an den spanischen Börsen notiert ist, wurden bereits am 10. November veröffentlicht.

Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender von Siemens Energy, fasst das Geschäftsjahr zusammen:
„In einem Jahr voller Herausforderungen hat unser Gas-and-Power-Segment wieder solide Ergebnisse erzielt, während SGRE die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Bei Gas and Power wirken die Maßnahmen, die wir zur Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit ergriffen haben. Genauso wichtig war für uns, dass wir die Organisationsstruktur im letzten Jahr zukunftssicher ausgerichtet haben – wir sorgen hiermit für mehr Transparenz über unsere Geschäftsentwicklung und ermöglichen durch flachere Hierarchien schnellere Entscheidungen. Bei SGRE werden wir durch die Integration dafür sorgen, dass sich die Profitabilität des Geschäfts verbessert und es sein volles Potenzial ausschöpfen kann.“

Siemens Energy arbeitet weiter an seiner Widerstandsfähigkeit

Das Geschäftsjahr 2022 war von geopolitischen und makroökonomischen Herausforderungen geprägt. Für Siemens Energy war es ein Jahr der Transformation. Es ging vor allem darum, die Basis für mehr Profitabilität zu schaffen, Hierarchien innerhalb des Unternehmens abzubauen und sich insgesamt widerstandsfähiger aufzustellen. Gas and Power konnte sowohl den weltweit herausfordernden Lieferketten als auch steigenden Materialkosten trotzen. In dem Segment wird derzeit ein Operational-Excellence-Programm durchgeführt. Ziel ist die Verbesserung der langfristigen Kostenstruktur und damit eine deutliche Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Als Folge des Angriffskriegs in der Ukraine und der verhängten Sanktionen gegen Russland zieht sich Siemens Energy aus dem Land zurück. Im vierten Quartal wurde der Verkauf des 65-prozentigen Anteils an der Siemens Gas Turbine Technologies (SGGT), einem Gemeinschaftsunternehmen mit der russischen Power Machines, abgeschlossen. Am 12. Oktober konnte zudem eine Transformatoren-Fabrik im russischen Woronesch erfolgreich verkauft werden.

Das neue Organisationsmodell von Siemens Energy sorgt für mehr Transparenz, Agilität und Flexibilität. Seit dem 1. Oktober 2022 arbeitet das Unternehmen mit einer neuen Struktur, hat Hierarchien abgebaut und die Verantwortlichkeiten klarer zugewiesen. Darüber hinaus wurden zwei neue Vorstandsmitglieder berufen: Anne-Laure de Chammard verantwortet den Geschäftsbereich Transformation of Industry, der sich vorwiegend auf die Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen in industriellen Prozessen fokussiert. Vinod Philip, bislang Strategiechef und Chief Technology Officer, wurde zum Vorstand Global Functions bestellt (u.a. IT, Einkauf und Innovation). 

Bei SGRE wurde ein neues Führungsteam eingesetzt, das die vorhandenen Probleme beheben soll. Das Sanierungsprogramm MISTRAL zur Förderung des profitablen Wachstums ist bereits angelaufen. Am 21. Mai 2022 hat Siemens Energy bekanntgegeben, den Aktionärinnen und Aktionären, die die ausstehenden ca. 32,9% am Grundkapital von SGRE halten, ein freiwilliges Kaufangebot in bar unterbreiten zu wollen. Die spanische Börsenaufsichtsbehörde hat das Angebot mittlerweile freigegeben. Seit dem 8. November können die Minderheitsaktionäre dem Kaufangebot von 18,05 € pro Aktie zustimmen. Die Annahmefrist für dieses Angebot endet voraussichtlich am 13. Dezember 2022. Kommt Siemens Energy am Ende der Frist auf mehr als 75% des Gesamtkapitals, ist beabsichtigt, SGRE von den spanischen Wertpapierbörsen zu nehmen (Delisting). Die Aktien des Unternehmens werden derzeit noch als Mitglied des spanischen IBEX-35-Index gehandelt. Wird die Schwelle von 96,7% aller Anteile überschritten, strebt Siemens Energy den dann rechtlich möglichen Ausschluss der verbleibenden Aktionärinnen und Aktionären an (Squeeze-Out).

Guter Auftragseingang bei Gas and Power im Geschäftsjahr 2022 sorgt für starken Free Cash Flow

Mit einem im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheren Auftragseingang von 38,3 Mrd. € im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Auftragsbestand bei Siemens Energy auf einen neuen Rekordwert. Er betrug zum 30. September 97,4 Mrd. €. Getragen wurde dieses Wachstum hauptsächlich vom Segment Gas and Power. Hier konnten die Herausforderungen in den globalen Lieferketten mit gezielten Gegenmaßnahmen, wie etwa der logistischen Sicherung größerer Bestände von Bauteilen, gut bewältigt werden.

Aufgrund der Umsatzeinbußen in Russland verringerten sich die Umsatzerlöse auf vergleichbarer Basis um 2,5% auf 29,0 Mrd. €. Gas and Power konnte zwar ein Wachstum verzeichnen, das jedoch durch einen starken Rückgang bei SGRE wieder aufgezehrt wurde. Die Windkrafttochter hatte vor allem unter den gestiegenen Materialkosten und den zunehmenden Problemen bei den Lieferketten zu leiden. Nominal sind die Umsatzerlöse von Siemens Energy um 1,8% gestiegen. 

Die Profitabilität von Siemens Energy wurde im Gesamtjahr durch Restrukturierungskosten belastet, vor allem durch den schrittweisen Rückzug aus dem Russlandgeschäft (ca. 200 Mio. €) sowie durch Restrukturierungs- und Integrationskosten bei SGRE. Der endgültige Abschluss der Abwicklung in Russland wird voraussichtlich keine weiteren wesentlichen finanziellen Auswirkungen mehr haben.

Das Angepasste EBITA vor Sondereffekten verringerte sich auf 379 Mio. €, was im Vergleich zum Geschäftsjahr 2021 mit 661 Mio. € einen deutlichen Rückgang darstellt. Während Gas and Power von seinem Programm zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit profitierte und beim Angepassten EBITA einen starken Anstieg verzeichnete, wurde dieses Wachstum durch größere Verluste bei SGRE wieder eingeholt. Grund für die Verluste bei der Windkrafttochter waren die bekannten Herausforderungen bei der 5.X-Plattform und Verzögerungen in den Lieferketten. 

Der Free Cash Flow vor Steuern entwickelte sich erneut sehr positiv. Mit 1.503 Mio. € übertraf er im Geschäftsjahr 2022 die Erwartungen. Positiv ausgewirkt haben sich hier Kundenanzahlungen für zahlreiche Aufträge im Gas-and-Power-Segment. Dadurch konnte Siemens Energy bei der spanischen Börsenaufsichtsbehörde Bar-Sicherheiten in Höhe von 1,15 Mrd. € für das freiwillige Kaufangebot der ausstehenden Aktien an SGRE hinterlegen. Durch diese Maßnahme sowie durch den Zufluss aus einer Pflichtwandelanleihe wurde der Überbrückungskredit für das Angebot auf 2 Mrd. € in etwa halbiert. Siemens Energy strebt auch weiterhin ein solides Investment-Grade-Rating an.

Der Verlust nach Steuern von Siemens Energy lag bei 647 Mio. € (einschließlich 200 Mio. € aus dem Russlandgeschäft), gegenüber 560 Mio. € im Vorjahr. Aufgrund der wachsenden Verluste sowie der aktuellen und im nächsten Jahr zu erwartenden Herausforderungen wird der Siemens-Energy-Vorstand dem Aufsichtsrat empfehlen, der Hauptversammlung im Februar 2023 keine Dividendenausschüttung für 2022 vorzuschlagen.

Starkes viertes Quartal mit Zuwächsen in allen Segmenten

Auch im vierten Quartal des Geschäftsjahres konnte Siemens Energy den widrigen geopolitischen und makroökonomischen Herausforderungen trotzen. Das Segment Gas and Power legte bei Umsatzerlösen und Gewinn erneut zu. SGRE konnte aufgrund von Anlagenverkäufen (einschließlich des Verkaufs seines Windparkentwicklungsportfolios in Südeuropa) im letzten Quartal positive Zahlen schreiben.

Das Quartal war von einem starken Auftragseingang geprägt. Besonders hervorzuheben ist ein Großauftrag über zwei Offshore-Netzanbindungen in Deutschland (Transmission). Es handelt sich hierbei um den größten Auftrag dieser Art in der Geschichte von Siemens Energy. Die Anbindung an das Stromnetz wird Deutschland seinem Ziel ein großes Stück näherbringen, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2030 auf 80% zu steigern. Hier zeigt sich, dass Siemens Energy mit seinen Technologien und Lösungen maßgeblich zum Gelingen der Energiewende beiträgt.

Die Umsatzerlöse erhöhten sich im vierten Quartal in beiden Segmenten. Auf vergleichbarer Basis ergibt sich daraus ein Gesamtanstieg von 5,9% auf 9,2 Mrd. €. Bei SGRE sind die deutlich höheren Umsatzerlöse vor allem durch die Anlagenverkäufe erzielt worden. Bei Gas and Power hat das Transmission-Geschäft durch neue Netzausbauprojekte zugelegt. Hier ist Siemens Energy in vielen Bereichen Marktführer. Bei Industrial Applications hat sich die Nachfrage erholt. Beiden Geschäftsfeldern kamen auch günstige Währungseffekte zugute.

Bei Siemens Energy belief sich das Angepasste EBITA vor Sondereffekten auf 594 Mio. €, nachdem im gleichen Quartal des Vorjahres noch ein Minus von 46 Mio. € zu Buche stand.

Maria Ferraro, CFO von Siemens Energy: „Auch in einem schwierigen Umfeld halten wir, was wir versprechen. Unsere Transformation macht sich Schritt für Schritt bezahlt, insbesondere Gas und Power hat gezeigt, was es kann. Unser starker Free Cash Flow versetzt uns in die Lage, auch die nächsten Schritte entschlossen anzugehen. Natürlich werden Inflation, hohe Materialkosten und Lieferkettenschwierigkeiten im kommenden Jahr nicht einfach verschwinden. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Hausaufgaben machen, indem wir weiterhin Kosten sparen und unsere operative Performance verbessern.“

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2023

Mit Start des Geschäftsjahres 2023 hat Siemens Energy eine neue Berichtsstruktur eingeführt. Das Angepasste EBITA wird durch das Ergebnis ersetzt, dessen Definition nun das operative Finanzergebnis ausschließt.

Siemens Energy erwartet für das Geschäftsjahr 2023 ein vergleichbares Wachstum der Umsatzerlöse (ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte) in einer Bandbreite von 3% bis 7% (Ist-Wert GJ 2022: minus 2,5%) sowie eine Gewinnmarge vor Sondereffekten von 2% bis 4% (Ist-Wert GJ 2022: 1,2%). Außerdem erwartet Siemens Energy eine deutliche Verringerung des Verlusts nach Steuern gegenüber dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2022 (Ist-Wert GJ 2022: minus 647 Mio. €). Der Free Cash Flow vor Steuern wird voraussichtlich in der Bandbreite eines niedrigen bis mittleren negativen dreistelligen Millionenbetrags liegen (Ist-Wert GJ 2022: 1.503 Mio. €).

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Siemens Energy gehört zu den weltweit führenden Unternehmen der Energietechnologie. Das Unternehmen arbeitet gemeinsam mit seinen Kunden und Partnern an den Energiesystemen der Zukunft und unterstützt so den Übergang zu einer nachhaltigeren Welt. Mit seinem Portfolio an Produkten, Lösungen und Services deckt Siemens Energy nahezu die gesamte Energiewertschöpfungskette ab – von der Energieerzeugung über die Energieübertragung bis hin zur Speicherung. Zum Portfolio zählen konventionelle und erneuerbare Energietechnik, zum Beispiel Gas- und Dampfturbinen, mit Wasserstoff betriebene Hybridkraftwerke, Generatoren und Transformatoren. Mehr als 50 Prozent des Portfolios sind bereits dekarbonisiert. Durch die Mehrheitsbeteiligung an der börsennotierten Siemens Gamesa Renewable Energy (SGRE) gehört Siemens Energy zu den Weltmarktführern bei Erneuerbaren Energien. Geschätzt ein Sechstel der weltweiten Stromerzeugung basiert auf Technologien von Siemens Energy. Siemens Energy beschäftigt weltweit rund 92.000 Mitarbeiter*innen in mehr als 90 Ländern und erzielte im Geschäftsjahr 2022 einen Umsatz von 29 Milliarden Euro.

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